Shivoham Shiva Tempel – surprise, surprise!

Mitten in Bangalore, an der Old Airport Road, befindet sich von außen kaum sichtbar, ein Monument des Wahnsinns: der Shivoham Shiva-Tempel mit einer 20 Meter hohen Götterstatue.

Als ich im September 2017 das erste Mal dort war, konnte ich es kaum glauben, was ich sah: Der Eingang sieht ein bisschen aus wie ein U-Boot. „Was soll denn daran so Besonders sein?“ dachte ich, als Sanja mir einen Besuch vorschlug. Das Ungewöhnliche daran ist das Besondere darin … Erst geht man durch einen dunklen Tunnel, vorbei an allerlei erbaulichen Sprüchen, die man auch in christlichen Kirchen finden könnte („Gott ist Liebe“, „Gott ist die Erleuchtung“, etc.), dann kommt man an der obligatorischen Schuhsammelstelle vorbei, und dann – tritt man ins Licht und blickt direkt ins Angesicht Shivas.

Damit fing alles an: erster Besuch mit Sanja, Martin und Vijay.

 

Im Tempel finden zahlreiche Poojas statt, an denen man für insgesamt 250 Rupien teilnehmen kann. Hier wird jede Menge Action geboten. Als erstes erhält man 108 Plastikkugeln, die man mit den Worten „Om namma Shivaya“ in 108 Messinggefäße gibt – eine Art Mantra. Gläubige bitten um Glück, Reichtum, Frieden, gute Ausbildung und Gesundheit. Nicht-Gläubige wie ich und alle meine Gäste, mit denen ich bisher den Shiva-Tempel besucht habe, betrachten das Ganze eher mit Humor. 108 mal – sind wir schon durch mit Zählen? …

Mutti und Caroline beim Shiva-Mantra

 

Gehen zwei evangelische Theologen in den Shiva-Tempel …

 

Biggi zu Besuch aus China

 

Dann bekommen die Besucher ein safranfarbenes Bändelchen, das sie vor einer riesigen, knapp 10 Meter hohen Ganesha-Statue ans Geländer binden können, zusammen mit ihren Sorgen, denen sie sich dadurch entledigen.

Danach geht es aus dem Licht wieder ins Dunkel: In einem künstlichen Höhlengang, in dem man sich ein bisschen wie im Europapark oder in Disneyland fühlt, sind die wichtigsten Heiligtümer dargestellt, in denen über ganz Indien verteilt, Lingas stehen. Hier sind sie nicht aus Stein, sondern aus Pappmaché, aber man kann sie anbeten und Geld spenden! Das ist vor allem für Gläubige gedacht, die gerne pilgern würden, aber nicht reisen können. Der Weg führt vorbei an einer Reproduktion des Eislingas, von Amarnath, einer der heiligen Orte der Shiva-Anhänger. Der Linga ist eine Nachbildung, aber das Eis ist echt, also echt kalt. Überall in der Höhle ertönen rituelle Gesänge, die einen ein wenig an Sekten denken lassen, weil sie ins Unterbewusstsein eindringen, wenn man sie denn versteht…

Für Nicht-Hindus ein Heidenspaß!

 

Weiter geht es mit einer Pooja, bei der der Linga mit einer Mischung aus Milch und Honig übergossen wird, während der Priester einen mit unverständlichen Worten segnet. Ich kann euch sagen, nach dem Besuch bei Shiva kann einem nix mehr passieren, so viel Segnungen wie einem hier widerfahren!

Kathrin bei der Milchzeremonie

 

Als nächstes bekommt man eine Münze, die man in den Mansarovar pond wirft, einen kleinen Teich zu Füßen Shivas. Als ob das noch nicht reichte, gibt’s zusätzlich ein Teelicht, das man auf dem Wasser schwimmen lässt. Ich lass das regelmäßig ins Nasse platschen, sodass mein Licht gleich erlischt.

Und das war’s dann? Nein, zum Abschluss gibt es noch Holzstücke und Räucherstäbchen, die entzündet und mit weiteren Gebeten ins Feuer geworfen werden.

Und beim Verlassen des Tempels kommt man dann zu guter Letzt noch an unzähigen Devotionalien vorbei, wobei da kein Unterschied gemacht wird, ob es sich um Shiva, Ganesha, Maria oder Micky Mouse handelt.

Devotionalien zum Schluss

 

Gott Shiva

Shiva, der Zerstörer, ist neben Brahma und Vishnu einer der drei Hauptgötter des Hinduismus. Seine Gattin ist Parvati und einer seiner Söhne der berühmte Ganesha, der andere ist Skanda. Mit ihnen bildet er eine Art Heilige Familie. Shiva ist der Gott der Gegensätze: einerseits Teil der Familie ist er andererseits der große Asket und Einzelgänger. Die Sadhus in ganz Indien dienen ihm und folgen seinem Beispiel des enthaltsamen Lebens. Verkörpert er einerseits die Zerstörung, sehen Gläubige in ihm gleichzeitig den Gnädigen, der das schlechte Karma vertreibt.

Wo Shiva ist, darf sein Sohn Ganesha nicht fehlen.

 

Er wird meist mit vier Händen dargestellt. Im großen Shiva-Tempel in Bangalore sind zwei der Hände zur Meditation zusammengelegt, die beiden anderen halten Dreizack und Sanduhrtrommel. Um seinen Hals und seine Oberarme winden sich Schlangen, seine langen Haare sind zu einer Krone geflochten, aus der seitlich eine Mondsichel und oben die Göttin Ganga in Form einer Wasserfontäne herausragt.

Oft wird Shiva zusammen mit seinem Reittier, dem Stier Nandi, dargestellt. Die Verehrung erfolgt in Form des Lingam oder Linga, eines Steins, der sehr an einen Phallus erinnert, und in einer Yoni steht, einer stilisierten Vagina. Da sind die Inder so prüde, und dann das…

Mit allen Gästen Shiva besucht

Der Tempel ist nicht historisch – er wurde 1995 eröffnet – oder berühmt, er wird nicht einmal im Reiseführer erwähnt. Aber ich finde ihn sehr ungewöhnlich und eine der Hauptattraktionen Bangalores. Deshalb komme ich auch mit fast allen unseren Gästen hierher. Ich bin schon so bekannt in dem Tempel, dass mir am Eingang kein Führer mehr angeboten wird, der uns das ganze Brimborium erklärt, weil die denken, ich kann das alleine!

Besuch mit Sabine und Jürgen

 

… und mit Peter und Meike

 

…mit Biggi

 

… und mit Jonathan.

 

 

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